Nach der grandiosen Premiere Ende Juni wollten wir „Im Tal des Todes“ unbedingt noch einmal erleben und waren deshalb am vergangenen Sonntag, dem 23. August, in der Nachmittagsvorstellung am Kalkberg. Und unser Eindruck hat sich noch einmal bestätigt: Das Ensemble harmoniert hervorragend, die Darsteller gehen mit großer Sicherheit, Leidenschaft und Spielfreude in ihre Rollen und machen durch die Bank weg einen großartigen Job. Jetzt geht die Saison bereits in den Endspurt – und die Begeisterung für diese Inszenierung ist weiterhin deutlich zu spüren.
„Im Tal des Todes“ ist ein Stoff, der in der langen Geschichte der Karl-May-Spiele Bad Segeberg erst zum vierten Mal auf der Bühne zu sehen ist. Im Mittelpunkt steht ein geheimnisvoller Canyon in den Bergen Mexikos, in dem der skrupellose Roulin Menschen zur Arbeit in einem Quecksilberbergwerk zwingt.
Um seine Machenschaften zu schützen, schürt Roulin den Konflikt zwischen den Maricopa und den Apachen und macht den Häuptling Eiserner Pfeil mit Alkohol gefügig. Als schließlich auch die Schamanin Paloma Nakana und ihr Geliebter Martin von Adlerhorst in Gefahr geraten, sind Winnetou und Old Shatterhand gefordert.
Die Geschichte entwickelt sich zu einem spannenden Abenteuer voller Spannung, bewegender Momente und überraschender Wendungen und steuert schließlich auf ein furioses Finale zu.
Eiserner Pfeil sorgt für besonders emotionale Momente
Joshy Peters überzeugt als Eiserner Pfeil mit einer eindrucksvollen Darstellung. Er zeigt die innere Zerrissenheit des einst stolzen Häuptlings und macht die schwierige Situation seiner Figur jederzeit nachvollziehbar.
Vor allem die Szenen rund um seine Alkoholsucht und das Feuerwasser gehören zu den emotional stärksten Momenten des Abends. Peters stellt den tiefen Fall seiner Figur ebenso glaubhaft dar wie deren Weg zurück zu neuer Stärke. Eine schauspielerisch herausragende Leistung.
Juanito bekommt bei Sascha Hödl viele Facetten
Auch Sascha Hödl begeistert als Juanito. Er verleiht der Figur eine bemerkenswerte Tiefe und macht deren innere Zerrissenheit jederzeit spürbar.
Zwischen Loyalität, Gewissen und dem Wunsch nach einem besseren Leben entsteht ein tragischer Charakter, der weit mehr ist als ein gewöhnlicher Gegenspieler. Hödl spielt diese Vielschichtigkeit mit großer Intensität, Feingefühl und Leidenschaft. Ganz große Klasse!
Winnetou und Old Shatterhand harmonieren hervorragend
Alexander Klaws verkörpert Winnetou mit Würde, Stärke und Menschlichkeit. Seine ruhigen, emotionalen Momente berühren ebenso wie seine entschlossenen Auftritte in den zahlreichen Actionszenen. Besonders seine Schlussworte sorgen für Gänsehaut und bilden einen bewegenden Abschluss des Abends. Klaws beweist damit erneut, warum er für viele der ideale Winnetou ist. Sollte er die Karl-May-Spiele irgendwann verlassen, wären sehr große Fußstapfen zu füllen – so groß, wie seit dem Abschied von Gojko Mitić nicht mehr.
Bastian Semm steht ihm als Old Shatterhand in fast nichts nach. Die Chemie zwischen den beiden Blutsbrüdern stimmt einfach. Ihr Zusammenspiel wirkt jederzeit glaubwürdig und vermittelt die tiefe Freundschaft, die Winnetou und Old Shatterhand seit Generationen auszeichnet. Semm verkörpert den Westmann mit viel Herz, Souveränität und der nötigen Schlagkraft. Man nimmt ihm den treuen Gefährten in jeder Szene ab. Er hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Topbesetzung entwickelt – und versteht sich auch privat mit Klaws hervorragend. Passender könnte es kaum sein.
Schafmeister und Kara sorgen gemeinsam für viel Humor
Heinrich Schafmeister überzeugt als Sir John Raffley mit dem feinen britischen Humor seiner Figur, charmanter Gelassenheit und einem perfekten Gespür für Timing. Damit sorgt er für viele der größten Lacher des Abends. Gemeinsam mit Alexis Kara als Don Fernando bildet er ein kongeniales Duo. Die beiden harmonieren hervorragend miteinander, spielen sich die Pointen gekonnt zu und genießen ihre gemeinsamen Szenen sichtlich – sehr zur Freude des Publikums.
Sam Hawkins ist bei Dirk Simpson bestens aufgehoben
Dirk Simpson hat sich die Rolle des Sam Hawkins inzwischen sichtbar zu eigen gemacht. Mit Charme, Witz und großer Natürlichkeit verkörpert er die beliebte Figur und fügt sich hervorragend in das Ensemble ein. Seine Spielfreude ist jederzeit spürbar, und auch im Zusammenspiel mit den anderen Darstellern funktioniert die Rolle wunderbar.
Miranda bringt Musik auf die Bühne
Florian Fitz überzeugt als skrupelloser Roulin mit starker Bühnenpräsenz. Isabel Varell verleiht ihrer Señorita Miranda Charisma und Ausstrahlung. Für einen der stimmungsvollsten Momente des Abends sorgt sie mit ihrer musikalischen Einlage „Baila Me“. Dabei reißt sie das Publikum im Kalkbergstadion mit und sorgt für beste Stimmung.
Ines Cihal überzeugt als selbstbewusste Paloma Nakana. Sie verkörpert eine starke Frauenfigur, die ihren eigenen Weg geht. Dass Paloma Nakana am Ende zur Häuptlingin der Maricopa wird und Verantwortung für ihr Volk übernimmt, setzt dabei ein Zeichen für Selbstbestimmung und Female Empowerment.
Auch kleine Anspielungen auf die heutige Zeit dürfen nicht fehlen und sorgen immer wieder für ein Schmunzeln. So fragt Don Fernando augenzwinkernd, ob sich diese „Selfies“ wohl irgendwann einmal durchsetzen werden. Gleichzeitig fügt sich die Entwicklung von Paloma Nakana zur Häuptlingin ganz selbstverständlich in die Geschichte ein. Die Inszenierung bewahrt damit den Geist des klassischen Abenteuers und greift zugleich ein Thema wie Selbstbestimmung auf.
Viel Liebe zum Detail am Kalkberg
Nicht nur das Ensemble, auch die Inszenierung selbst weiß zu begeistern. Das mexikanische Dorf San Miguel, das imposante Quecksilberbergwerk und die vielen liebevollen Details schaffen eine stimmige Atmosphäre. Farbenfrohe Kostüme, Mariachi-Musik, spektakuläre Reiterszenen, Explosionen, Feuer und raffinierte Bühneneffekte sorgen dafür, dass es auf der Bühne ständig etwas Neues zu entdecken gibt. Die aufwendige Inszenierung zeigt eindrucksvoll, mit wie viel Liebe zum Detail am Kalkberg gearbeitet wird.
Der große Showdown ist schließlich noch einmal ganz großes Freilichttheater. Feuer, Explosionen, spektakuläre Stunts und einstürzende Kulissen sorgen für ein atemberaubendes Finale.
Besonders beeindruckend ist, wie der Kalkberg selbst in die Handlung einbezogen wird. Dadurch bekommen die letzten Minuten eine außergewöhnliche Wucht und bilden einen spektakulären Abschluss der Geschichte.
Die Saison geht in den Endspurt
„Im Tal des Todes“ geht nun in den Endspurt der Saison. Die Karl-May-Spiele zeigen das Stück noch bis zum 6. September 2026. Wer Winnetou, Old Shatterhand und das gesamte Ensemble in diesem Jahr noch am Kalkberg erleben möchte, hat also nicht mehr unbegrenzt Gelegenheit dazu. Tickets für die letzten Vorstellungen gibt es DIREKT HIER.