Das Musical-Meisterwerk „Romeo & Julia – Liebe ist Alles“ von Peter Plate und Ulf Leo Sommer tourt erstmals durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Giuseppe Dulcetta übernimmt auf der Tour die Rolle des Todesengel. Musicalpuls.com-Redakteur Markus Hausdorf hat ihn für Euch getroffen und mit ihm unter anderem über das Musical und seine Rolle gesprochen.
Die letzten Shows von „Romeo & Julia – Liebe ist Alles“ hast du krankheitsbedingt pausieren müssen. Bist du nun wieder fit, die Zuschauer an deiner Rolle als Todesengel zu erfreuen?
Giuseppe Dulcetta: Die Shows aussetzen zu müssen, war ziemlich hart für mich. Ich bin wirklich nicht gerne von der Bühne weg. Aber zum Glück geht es mir langsam wieder besser, und ich kann es ehrlich gesagt kaum erwarten, wieder auf der Bühne zu stehen und die Kraft und Energie des Publikums zu spüren.
Ihr seid seit Mitte August auf Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Wie sind deine ersten Eindrücke von den Vorstellungen in Köln und Düsseldorf?
Giuseppe Dulcetta: Köln und Düsseldorf waren beide auf ganz unterschiedliche Weise sehr spannend. Jedes Publikum hat seine eigene Energie, und genau das liebe ich am Touren. Köln war der Beginn dieser Reise, deshalb lag bei den ersten Vorstellungen natürlich besonders viel Aufregung in der Luft. In Düsseldorf hatte die Show schon etwas mehr Zeit, sich zu entwickeln und in mir zu setzen, deshalb erlebe ich sie jetzt auch etwas anders.
Wie würdest du die Rolle des Todesengels in dem Musical „Romeo & Julia – Liebe ist Alles“ beschreiben?
Giuseppe Dulcetta: Für mich ist der Todesengel eine Begleitung für die Figuren, die im Laufe der Show sterben. Ich sehe den Todesengel nicht als etwas Böses oder Beängstigendes. Es ist eher eine Präsenz, die erscheint, wenn dieser Moment gekommen ist – fast wie eine Begleitung zwischen einer Welt und der nächsten.
Wie hast du dich auf diese Rolle vorbereitet? Hast du dich speziell mit dem Thema Tod auseinander gesetzt?
Giuseppe Dulcetta: Ich glaube, meine Sicht auf den Todesengel hat sich tatsächlich verändert, je besser ich die gesamte Geschichte kennengelernt habe. Am Anfang habe ich den Todesengel wahrscheinlich eher als eine Art Gegner gesehen – als dunkle Präsenz, die für den Tod steht und die Menschen mit sich nimmt. Aber je besser ich die Geschichte verstanden habe, desto mehr hat sich diese Sicht verändert. Heute sehe ich den Todesengel viel mehr als eine Figur, die einfach die ihr zugedachte Aufgabe erfüllt.
Was ist für dich das Besondere an der Rolle des Todesengels?
Giuseppe Dulcetta: Der Todesengel beobachtet, was passiert, ohne zu einer der beiden Seiten des Konflikts zu gehören. Darin liegt etwas Kraftvolles und Geheimnisvolles, ohne dass es zwangsläufig grausam oder beängstigend sein muss. Ich liebe außerdem, dass sich die Figur vor allem durch die Stimme ausdrückt, mit sehr wenig Bewegung und viel körperlicher Präsenz.
Als Countertenor begeisterst du stimmlich. Welche Ausbildungen hast du dafür absolviert?
Giuseppe Dulcetta: Als Countertenor zu singen war nichts, was ich mir erst erarbeiten oder künstlich entwickeln musste. Ich habe irgendwann entdeckt, dass ich das ganz natürlich konnte. Später wollte ich diese Fähigkeit dann verfeinern und besser verstehen, wie ich meine Stimme richtig einsetzen kann. Deshalb habe ich professionellen Gesangsunterricht genommen. Das hat mir enorm geholfen – sowohl technisch als auch dabei, diesen Teil meiner Stimme künstlerisch einzusetzen.
Welcher Song in dem Musical „Romeo & Julia – Liebe ist Alles“ berührt dich am meisten und warum?
Giuseppe Dulcetta: Es gibt zwei Songs, die mich besonders berühren: „Ich gebe dich nicht auf“ und „Wie weit ist vorbei“. „Ich gebe dich nicht auf“ berührt mich, weil Julia weiß, dass sich alles verändert hat und dass ihre Liebe zu Romeo beinahe unmöglich geworden ist. Trotzdem weigert sie sich, ihn aufzugeben. Diese Entschlossenheit finde ich sehr kraftvoll. „Wie weit ist vorbei“ berührt mich auf eine andere Art. Der Song handelt von Verlust und von diesem seltsamen Gefühl, zu wissen, dass etwas vorbei ist, während man emotional immer noch damit verbunden ist.
Was ist deine Lieblingsszene in diesem Musical?
Giuseppe Dulcetta: Ich glaube, mein Lieblingsmoment ist tatsächlich das Finale bei „Der Krieg ist aus“. Wir legen unsere Kostüme ab und stehen dort als wir selbst, während wir die Figuren, die wir gespielt haben, gewissermaßen in unseren Händen halten. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Romeo und Julia oder um einen Konflikt, der vor Jahrhunderten stattgefunden hat. Die Geschichte wird in die Gegenwart geholt und stellt uns die Frage, ob wir daraus wirklich etwas gelernt haben.
Und gibt es einen Lieblingsspruch oder einen Lieblingsdialog in dem Musical?
Giuseppe Dulcetta: Es ist zwar kein wirklicher Dialog, und wahrscheinlich wiederhole ich mich ein bisschen, aber ich liebe die Botschaft, die wir dem Publikum während „Der Krieg ist aus“ vermitteln.
Im zweiten Akt des Musicals liegt du beim Song „So kalt der Tod“ die ganze Aufmerksamkeit beim Todesengel, als er die beiden verstorbenen Mercutio und Tybalt in seinem Reich begrüßt. Du kommst dabei auch dem Publikum sehr nahe. Wie empfindest du diesen Augenblick und kannst du die Zuschauer in dieser Szene selbst gut erblicken?
Giuseppe Dulcetta: Für mich ist das ein sehr intensiver Moment, weil ich plötzlich nicht mehr nur eine Figur bin, die aus der Ferne auf dem Balkon erscheint. Diesmal ist der Tod in Verona angekommen, und ich bin dem Publikum extrem nah. Ich kann die Blicke definitiv auf mir spüren. Es ist ein ganz anderer und sehr kraftvoller Moment.
Was ist für dich das Besondere bei dem Musical „Romeo & Julia – Liebe ist Alles“, bei dem moderne Popmusik mit den alten Texten von Shakespeare kombiniert werden?
Giuseppe Dulcetta: Gerade dieser Kontrast ist für mich eines der interessantesten Elemente des Musicals. Shakespeares Sprache verleiht der Geschichte etwas Poetisches und Zeitloses, während die Popmusik die Emotionen sehr direkt, modern und vielleicht auch zugänglicher macht. Für mich fühlt es sich so an, als würde die Musik eine Brücke zwischen diesen beiden Welten schlagen.
Wem legst du einen Besuch in diesem Musical ans Herz?
Giuseppe Dulcetta: Ich würde das Musical natürlich Menschen empfehlen, die Musicals sowieso lieben, aber auch denen, die vielleicht denken, Shakespeare sei altmodisch oder schwer zugänglich. Man muss wirklich kein Shakespeare-Experte sein. Im Kern geht es um zwei Menschen, die sich vollkommen ineinander verlieben, aber auch um Familie, Freundschaft, Konflikte und Verlust. Diese Gefühle sind universell, und ich finde, dass die Inszenierung die Geschichte für ein modernes Publikum sehr zugänglich macht.
Welche Wünsche hast du noch für die bis zum 7. Februar 2027 laufende Tour und gibt es einen Tourstopp, auf den du dich ganz besonders freust?
Giuseppe Dulcetta: Ich hoffe vor allem, dass ich nicht noch einmal krank werde und so schnell keine weiteren Shows verpassen muss. Einmal hat definitiv gereicht! Ich freue mich auf jede Stadt, die ich noch nicht besucht habe, weil ich es liebe zu reisen und neue Orte zu entdecken.
Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg bei „Romeo & Julia – Liebe ist Alles“.
Giuseppe Dulcetta: Es hat mir wirklich viel Freude gemacht, die Fragen zu beantworten, und vielen, vielen Dank!


