Seit 2017 brilliert Musicaldarsteller Alexander Kerbst als Falco auf den Bühnen. 2026 präsentiert er nun erstmals gemeinsam mit Stefanie Koch und Veranstalter Cofo Entertainment die Neuinszenierung “Falco meets Amadeus”. Mit musicalpuls.com sprach er beim Tourstopp im Metropol Theater in Bremen hinter den Kulissen exklusiv über das beeindruckende Stück und was sich in der neuen Fassung geändert hat. Dabei betonte er, dass es vor allem auf die emotionale Tiefe ankommt.
Musicalpuls.com: In diesem Jahr präsentiert ihr mit “Falco meets Amadeus” die Neuinszenierung eurer Erfolgsproduktion. Welche Änderungen habt ihr vorgenommen?
Alexander Kerbst: „”Wir haben technisch aufgerüstet. Wir hatten immer Laserbeamer, die waren schon ok auf der Leinwand hinten, aber es war immer so dunkel und deswegen konnte man das Licht auch nicht so hell machen, weil du sonst hinten nichts mehr gesehen hast. Jetzt haben wir LED-Leinwände, die sich öffnen – und jetzt siehst du den Content endlich. Das war vorher nicht der Fall. Wir haben auch neue Kostüme angefertigt, Amadeus ist natürlich auch neu drin und wir haben alles noch mal ein bisschen überarbeitet. Also Oliver hat wirklich Geld in die Hand genommen, um die Show noch mal richtig aufzuwerten”
Musicalpuls.com: Wie ist es für dich, an Falco zu erinnern?
Alexander Kerbst: „Ich sag es dir ganz ehrlich, es geht gar nicht um Falco. Unser Stück ist von Steffi und mir so konzipiert, dass es eben über sich hinaus weist. Es ist nicht nur eine reine Falco-Biographie, sondern Falco wird quasi exemplarisch genommen, um etwas Grundsätzliches zu zeigen – nämlich genau das, was viele Stars erleben. Der schnelle, rasante Aufstieg, der Wahnsinn – und dann bist du plötzlich ein Star. Alle wollen was von dir und du verkalkulierst dich. Du fängst an mit Drogen, Alkohol und alles mögliche und du denkst, dass du der King bist. Und dann geht es plötzlich wieder abwärts und du kommst damit nicht mehr klar. Ob Michael Jackson, Kurt Cobain oder Amy Winehouse… es ist immer dasselbe. Versteh mich nicht falsch – ich bin Fan von Falco, aber es ist eben nicht nur er. Das Stück ist exemplarisch für ganz viele Künstlerbiografien und deswegen ist es auch so zeitlos. Es hängt nicht an Falco und es sind so viele emotionale Geschichten in dem Stück mit drin – wie bei ‚Coming Home‘ eben… Falco ist da im größten Glück, er hat da nochmal einen Drogenrausch. Das ist so, wie als würdest du sterben… da kommen noch mal die ganzen Endorphine… und die ganzen Drogen werden vom Körper ausgeschüttet. Er sieht noch mal Jeanny und sie gehen zusammen in den Sonnenuntergang… (Alexander macht ein großes Crash-Geräusch).“
Musicalpuls.com: Da habe ich mich jetzt aber erschrocken!
Alexander Kerbst: „Das war die Absicht. Da kommt der Crash und du denkst als Zuschauer: ‚Stimmt, es gibt ja gar keine Happy End.‘ Solche emotionalen Momente sind eben mehrfach in dem Stück drin. Und das ist letzten Endes auch das, was die Leute toucht.”
Musicalpuls.com: Die emotionale Tiefe ist ein sehr wichtiger Punkt, um das Publikum mitzunehmen…
Alexander Kerbst: „Natürlich! Warum geh ich denn ins Theater?! Ich möchte doch berührt werden. Ich möchte doch nicht nur, dass die mir Sachen um die Ohren gehauen werden… wo ich sage, ‘boah, haben die viel Geld. Was die alles machen können’. Das ist schön, aber der Kern muss stimmen… dass ich das wirklich fühle und spiele – und dann auch noch in eine Form kriege… aber nicht die Form alleine macht es, sondern eben das Herz, die Emotionen, das wirkliche Spielen als auch Empfinden und Sein.“
Musicalpuls.com: Glaubst du, dass auch genau dieser Punkt eines der Erfolgsrezepte eures Stückes ist?
Alexander Kerbst: “Ja. Wir haben hier in dieser Inszenierung jetzt auch ein Mozart-Lied drin, welches die Jeanny singt. Es ist das Adagio Klarinettenkonzert, was man auch aus dem Film ‚Jenseits von Afrika‘ kennt. Es war Steffis Idee. Sie hat gesagt: ‚Das machen wir als Song für Jeanny’. Davor ist dieser Puppen-Monolog von Falco. Da ist keine große Lichtstimmung, da ist kein Tanz und es ist auch keine laute Musik. Das ist ein ganz ruhiger Moment und die Leute werden gefesselt. Sie sitzen da und du kannst eine Stecknadel fallen lassen. Da haben sie so einen Moment. Das ist das, was Theater ist.”
Musicalpuls.com: Ihr habt ja auch sehr viele Perlen von Falco drin – und auch unbekanntere Songs. Wie habt ihr überhaupt diese Auswahl getroffen? Das muss ja alles passen.
Alexander Kerbst: “Da hat Amy, unsere Choreografin, mit der ich 2013 zusammen in Trier ‘The Spirit Never Dies’ gemacht habe, einen großen Anteil… Das Stück war ein Tanztheater und da waren nur Tänzer, Tänzerinnen und eben ich als Falco dabei. Ich war der Einzige, der gesungen hat. Ich habe darin auch nichts gesagt, nur gesungen. Es wurde alles durch Tänze erzählt. Der kleine Falco war ein Tänzer. Er hat den Hans Hölzl gespielt und er wollte immer Musik machen… er hat dann seiner Mutter, die am Bügeltisch stand, das Radio aufgedreht. Das haben sie alles als Tanz gelöst. Dann tritt er vor den Spiegel und zieht sich einen Anzug an… und sieht mich im Spiegelbild. Wir machen dann die gleichen Gesten, und ich trete aus dem Spiegel raus. Er guckt sich an, wie er als Falco, als Kunstfigur sein könnte – und dann beobachtet er mich die ganze Zeit, was ich mache. Zum Beispiel gehe ich darn auch in einen Puff – deswegen das Lied ‚Cadillac Hotel‘, das hat Amy damals rausgesucht, weil das eben für eine Puffszene sehr gut geeignet ist – und der Hans sitzt an der Bar und säuft sich einen an und denkt immer, ‘der hat den großen Erfolg und mich lassen sie alle’.
Dabei ergänzt Alexander: “‘No Time for Revolution‘ ist auch nicht so bekannt, aber wir haben es reingenommen. Die Aussage der Revolution ist ja: ‚Ich habe keine Zeit für so einen Scheiß. Ich will jetzt einfach leben.‘ Das passt eben auch gut für die Karibik, das letzte Aufbäumen, wo Falco noch mal so eine Art Konzert macht – angelehnt an seinen Geburtstag. Da waren ja alle noch mal da und er hat dann ‚Egoist‘ gesungen. Da war er schon total kahlgeschoren… da haben wir gedacht, ‘das passt da gut rein’ – dass er sagt: ‚F….. euch alle, lasst mich in Ruhe. Ich will jetzt meine Drogen und ich will jetzt nicht mehr die Welt verändern.”







