Mit einer spektakulären Premiere sind die Karl-May-Spiele Bad Segeberg in die Saison 2026 gestartet. Wir waren dabei, als sich gestern Abend (27.06.26) am Kalkberg das neue Abenteuer „Im Tal des Todes“ erstmals offiziell dem Publikum präsentierte. Schon die ersten Minuten machten deutlich, dass die Zuschauer auch in diesem Jahr wieder großes Freilichttheater erwartet. Gleich zu Beginn sorgt eine verblüffende Bühnenverwandlung für Staunen: Innerhalb weniger Augenblicke klappt ein Haus durch raffinierte Bühnentechnik zusammen und verwandelt sich in einen Felsen Ein spektakulärer Auftakt, der den Ton für einen Abend voller Spannung, Emotionen und beeindruckender Bilder setzte…
Karl-May-Spiele Bad Segeberg zeigen mit „Im Tal des Todes“ seltenes Stück
Mit „Im Tal des Todes“ bringen die Karl-May-Spiele einen Stoff auf die Bühne, der in der langen Geschichte der Bad Segeberger Festspiele erst zum vierten Mal gespielt wird. Im Mittelpunkt steht ein geheimnisvoller Canyon in den Bergen Mexikos, in dem der skrupellose Roulin Menschen zur Arbeit in einem Quecksilberbergwerk versklavt. Um seine Machenschaften zu schützen, schürt er einen Konflikt zwischen den Maricopa und den Apachen und macht den Häuptling Eiserner Pfeil mit Alkohol gefügig. Als schließlich auch die Schamanin Paloma Nakana und ihr Geliebter Martin von Adlerhorst in Gefahr geraten, sind Winnetou und Old Shatterhand gefordert. Die Geschichte entwickelt sich zu einem packenden Abenteuer voller Spannung, bewegender Momente und überraschender Wendungen, das auf ein furioses Finale zusteuert.
„Tal des Todes“-Besetzung durch die Bank weg stark
Vor allem aber lebt die Inszenierung von einer Besetzung, das in jeder Szene spüren lässt, mit wie viel Leidenschaft und Spielfreude hier Theater gemacht wird. Jede Rolle ist mit Herzblut gespielt – und genau dieses Miteinander macht den besonderen Reiz der diesjährigen Inszenierung aus.
Urgestein Joshy Peters bärenstark als Eiserner Pfeil
Besonders beeindruckend ist Joshy Peters als Eiserner Pfeil. Er zeigt die innere Zerrissenheit des einst stolzen Häuptlings auf eindrucksvolle Weise. Vor allem die Szenen rund um seine Alkoholsucht und das Feuerwasser gehören zu den emotional stärksten Momenten des Abends. Peters gelingt es, den tiefen Fall seiner Figur ebenso glaubhaft darzustellen wie ihren Weg zurück zu neuer Stärke. Eine schauspielerisch herausragende Leistung.

Sascha Hödl brilliert in für ihn ungewohnter Rolle
Auch Sascha Hödl begeistert als Juanito. Er verleiht der Figur eine bemerkenswerte Tiefe und macht deren innere Zerrissenheit jederzeit spürbar. Zwischen Loyalität, Gewissen und dem Wunsch nach einem besseren Leben entsteht ein tragischer Charakter, der weit mehr ist als ein gewöhnlicher Gegenspieler. Hödl spielt diese Vielschichtigkeit mit großer Intensität und viel Feingefühl. Und Leidenschaft. Ganz große Klasse!

Alexander Klaws ist der beste Winnetou den Bad Segeberg je hatte
Alexander Klaws beweist einmal mehr, warum er für viele der ideale Winnetou ist. Er verkörpert den Apachenhäuptling mit Würde, Stärke und Menschlichkeit. Seine ruhigen, emotionalen Momente berühren ebenso wie seine entschlossenen Auftritte in den zahlreichen Actionszenen. Besonders seine Schlussworte sorgen für Gänsehaut und bilden einen bewegenden Abschluss des Abends. Hier muss man sich fragen: Kann jemand die Werte und Worte Winnetous authentischer und eindrucksvoller rüberbringen als der Topstar? Wohl kaum. Sollte er irgendwann die Karl-May-Spiele verlassen (noch ist nicht offiziell bestätigt, dass er auch 2027 dabei ist) sind sehr große Fußstapfen zu füllen. So groß, wie seit dem Abschied von Gojko Mitic nicht mehr.

Bastian Semm ist als Old Shatterhand eine Bank
Bastian Semm steht ihm als Old Shatterhand in fast nichts nach. Die Chemie zwischen den beiden Blutsbrüdern stimmt einfach. Ihr Zusammenspiel wirkt jederzeit sehr glaubwürdig und vermittelt die tiefe Freundschaft, die Winnetou und Old Shatterhand seit Generationen auszeichnet. Semm verkörpert den Westmann mit viel Herz, Souveränität und der nötigen Schlagkraft. Man nimmt ihm den treuen Gefährten in jeder Szene ab. Er hat sich in den letzten Jahren zur Topbesetzung entwickelt – und versteht sich auch privat mit Klaws hervorragend. Passender könnte es also kaum sein.

Heinrich Schafmeister und Alexis Kara bilden ein kongeniales Dup
Ein echtes Highlight ist Gaststar Heinrich Schafmeister als Sir John Raffley. Mit seinem feinen britischen Humor, seiner charmanten Gelassenheit und seinem perfekten Gespür für Timing sorgt er für viele der größten Lacher des Abends. Gemeinsam mit Alexis Kara als Don Fernando bildet er ein kongeniales Duo. Die beiden harmonieren hervorragend miteinander, spielen sich die Pointen gekonnt zu und genießen ihre gemeinsamen Szenen sichtlich – sehr zur Freude des Publikums.

Dirc Simpson meistert Rolle des Sam Hawkins
Großen Respekt verdient auch Dirk Simpson, der kurzfristig die Rolle des Sam Hawkins übernommen hat. Von der kurzen Vorbereitungszeit war auf der Bühne nichts zu merken. Mit Charme, Witz und großer Natürlichkeit machte er sich die beliebte Figur zu eigen und fügte sich nahtlos in das Ensemble ein. Besonders bewegend war sein Moment beim Schlussapplaus: Als er voller Freude die Faust in die Höhe reckte, waren Erleichterung, Stolz und pure Freude deutlich zu erkennen. Ein ehrlicher Augenblick, der zeigte, wie viel ihm diese Premiere bedeutet hat.

Isabel Varell harmoniert mit Florian Fitz und bekommt auch große Gesangseinlage
Auch Florian Fitz überzeugt als skrupelloser Roulin mit starker Bühnenpräsenz. Isabel Varell verleiht ihrer Señorita Miranda Charisma und Ausstrahlung. Für einen der stimmungsvollsten Momente des Abends sorgt sie mit ihrer musikalischen Einlage „Baila Me“, bei der sie das Publikum sofort mitreißt und für beste Stimmung im Kalkbergstadion sorgt. Ines Cihal überzeugt als selbstbewusste Paloma Nakana und verkörpert eine starke Frauenfigur, die ihren eigenen Weg geht.

Starke Botschaft für Female Empowerment
Auch kleine Anspielungen auf die heutige Zeit dürfen nicht fehlen und sorgen immer wieder für ein Schmunzeln. So fragt Don Fernando augenzwinkernd, ob sich diese „Selfies“ wohl irgendwann einmal durchsetzen werden.
Gleichzeitig setzt die Inszenierung am Ende ein Zeichen: Paloma Nakana wird zur Häuptlingin der Maricopa und übernimmt Verantwortung für ihr Volk. Dieses Thema von Selbstbestimmung und Female Empowerment fügt sich ganz selbstverständlich in die Geschichte ein und zeigt einmal mehr, dass die Karl-May-Spiele den Geist der klassischen Abenteuer bewahren und dennoch am Puls der Zeit sind.

Erstmals seit vielen Jahren: Kalkberg-Gipfel wird als Schauplatz genutzt
Nicht nur das Ensemble, die Inszenierung selbst weiß aber natürlich auch zu begeistern. Das mexikanische Dorf San Miguel, das imposante Quecksilberbergwerk und die vielen liebevollen Details schaffen eine stimmige Atmosphäre. Farbenfrohe Kostüme, Mariachi-Musik, spektakuläre Reiterszenen, Explosionen, Feuer und raffinierte Bühneneffekte sorgen dafür, dass es auf der Bühne ständig etwas Neues zu entdecken gibt. Die aufwendige Inszenierung zeigt eindrucksvoll, mit wie viel Liebe zum Detail am Kalkberg gearbeitet wird.
Der große Showdown ist schließlich noch einmal ganz großes Freilichttheater. Feuer, Explosionen, spektakuläre Stunts und einstürzende Kulissen sorgen für ein atemberaubendes Finale. Besonders beeindruckend ist, wie der Kalkberg selbst eindrucksvoll in die Handlung einbezogen wird und den letzten Minuten eine außergewöhnliche Wucht verleiht. Hier zeigt sich noch einmal die ganze Stärke der Inszenierung.

Kein Feuerwerk, aber großer Popstar als Überraschungsgast
Nach dem packenden Finale folgte der große Schlussapplaus, wobei das Feuerwerk wegen der Hitze ausfiel. Dafür hatte man mit Popstar Sasha aber eine Mega-Überraschung. Er sang „Lucky Day“ – was hervorragend zu diesem Tag passte. Im Publikum der Premiere tummelten sich übrigens natürlich auch wieder einige Stars. So erblickten wir unter anderem die Kalkberglegenden Gojko Mitic, Harald Wieczorek sowie Claudia Jung, Revolverheld-Mitglied Johannes Strate, Till Demtroeder, Patrick Bach und Fabian Harloff.
Mit der Premiere „Im Tal des Todes“ ist den Karl-May-Spielen Bad Segeberg ein eindrucksvoller Start in die Saison 2026 gelungen. Die Inszenierung fesselt von der ersten bis zur letzten Minute und verbindet Spannung, Humor, große Emotionen und spektakuläre Action zu einem rundum gelungenen Freilichttheater-Erlebnis. Wobei das untertrieben ist – das ist ganz, ganz großes Kino war hier mal wieder in Bad Segeberg geboten wird. Dass „Im Tal des Todes“ in der Geschichte der Karl-May-Spiele erst zum vierten Mal auf dem Spielplan steht, macht diese Produktion zusätzlich besonders. Wer die Gelegenheit hat, dieses selten gespielte Abenteuer am Kalkberg zu erleben, sollte sie unbedingt nutzen. Noch bis zum 06.09.26 besteht die Chance, ehe 2027 das Stück „Unter Geiern – Der Geist des Llano Estacado“ aufgeführt wird.