Als die Premiere des Musicals „DIE WEISSE ROSE“ im Düsseldorfer Capitol Theater am 17. Juni gegen 22.15 Uhr endete, gab es für die Cast samt der Musiker minutenlangen Applaus. Mehrfach kam man zurück auf die Bühne und bedankte sich bei den Zuschauern für ihr Kommen. Noch bis zum 21. Juni gastiert „DIE WEISSE ROSE“ in Düsseldorf, ehe die Tour durch Deutschland weiterfortgesetzt wird. Musicalpuls.com war bei der Premiere dabei und verrät Euch in der ausführlichen Kritik, wie wichtig das Stück gerade in der heutigen Zeit ist.
Bei den meisten Musical geht man nach einer Vorstellung vergnügt und mit guter Laune nach Hause. Bei „DIE WEISSE ROSE“ ist dies anders: Man verlässt das Theater von der Geschichte gefesselt, ergriffen und nachdenklich.
Das von den Musical-Stars Vera Bolten und Alex Melcher geschaffene Musical „DIE WEISSE ROSE“ beginnt im Jahr 1934 und endet im Jahr 1944. Es lässt die Zuschauer im Theatersaal in die Geschichte eintauchen.
Das Stück beginnt im Frühling 1934 im Hause der Familie Scholl, die ältesten Kinder Inge, Hans und Sophie sind von Hitler und seiner Propaganda begeistert. Sie wollen etwas zum Aufbau eines neuen Deutschlands beitragen. Beim Abendessen geraten die Kinder mit ihrem Vater, der den Nationalsozialisten mehr als skeptisch gegenübersteht, aneinander. Er duldet die Mitgliedschaften seiner Kinder in der Hitlerjugend bzw. dem Bund Deutscher Mädel, aber warnt sie wachsam zu sein und ihre eigenen Erfahrungen zu machen.
Die Reise beginnt und man sieht den schnellen Aufstieg von Hans und Sophie, sie übernehmen Führungspositionen und lieben die gemeinsamen Aktivitäten. Doch sie geraten auch immer wieder mit den Vorgesetzten aneinander, es gibt Konflikte. Spätestens als man nicht mehr mit jüdischen Kindern befreundet sein darf, obwohl man sie schon ein Leben lang kennt, kommen weitere Zweifel auf.
Sophie Scholl lernt bei einem Tanzabend Fritz Hartnagel kennen, beide verlieben sich. Unglaublich eindrucksvoll und berührend sind die späteren Briefwechsel in dem Musical zwischen Sophie und dem Berufssoldaten dargestellt. Im weiteren Verlauf gerät die Familie Scholl erstmals ins Visier der Nazis.
Als Hans Scholl vom Sanitätsdienst beim Westfeldzug zurück in München ist, lernt er Alex Schmorell und später Christoph Probst kennen. Robert Scholl wird in Ulm verhaftet und als Hans nach Hause kommt, erhält er von seiner Schwester Inge eine Kopie einer regimekritischen Predigt des Bischofs von Münster. Die Idee regimekritische Texte zu vervielfältigen und anonym zu verteilen, begeistert die drei Freunde. Ein erstes Flugblatt wird von Hans und Alex verfasst und versendet. Sophie vermutet, dass die beiden die Autoren sind und besteht darauf bei den nächsten Aktionen dabei sein zu dürfen.
Und das Stück zeigt im weiteren Verlauf wieso es wichtig ist seine Stimme zu erheben, aber es zeigt auch, dass die „WEISSE ROSE“ ihr Leben aufs Spiel setzt, um die Nazis zu stoppen und weitere Menschen von zum Umdenken zu gewinnen. Dieses Musical geht unter die Haut und wirkt lange nach.
Mit der Inszenierung dieser unglaublichen Geschichte als Musical fesselt und packt man auch Menschen, die sich bislang noch nie mit der Geschichte um die Geschwister Hans und Sophie Scholl. Schnell wird man in diesem Stück Parallelen zu der heutigen Zeit finden, es ist ein Mahnmal für die heutige Gesellschaft. Es ist kaum zu glauben, wenn man in einem Theatersaal sitzt, und auf einmal sieht, wie die NS-Flagge im Capitol Theater in Düsseldorf geflaggt werden – es macht einen fassungslos. Unterstrichen wird das ganze durch Darsteller/innen, die im Theatersaal verteilt klatschen oder Parolen rufen. Dieses Musical schafft es, dass man über das Thema nachdenkt und sich mit diesem Thema beschäftigt und das die Geschichte nicht vergessen wird.
Das Musical endet aber nicht nur mit den Hinrichtungen von Hans und Sophie Scholl sowie allen weiteren Mitstreitern, sondern mit der Inszenierung der britischen Bomber, die das sechste Flugblatt der Weißen Rose millionenfach über Deutschland abwerfen. Damit gibt man Hans und Sophie Scholl und den Mitstreitern und dem Widerstand in Deutschland noch über ihren Tod hinaus eine Stimme.
Nicht nur aus geschichtlicher Sicht ist dieses Musical ein Muss. Den Machern um Vera Bolten und Alex Melcher kann man zu diesem gelungenen Stück nur gratulieren. Ein musikalisches Meisterwerk wurde zu diesem schweren Thema geschaffen.
Gerade in diesen Zeiten mahnt es, dass sich diese Geschichte in Deutschland – und nirgendwo anders – wiederholen darf. Der Cast kann man nur ein Kompliment machen, wie sie dieses Thema auf der Musicalbühne umgesetzt haben. Abgerundet wird der Aufenthalt im Theater durch eine Ausstellung und den Austausch mit der Cast nach dem Stück. Für Schulen werden auch spezielle Schulvorführungen angeboten – auch dies ist enorm wichtig.
Bei der Premiere von „DIE WEISSE ROSE“ in Düsseldorf waren unter anderem auch Schauspielerin Janine Kunze, Musicaldarstellerin Alina Simon und Sängerin Marie Wegener zu Gast im Düsseldorfer Capitol Theater.
Die weiteren Tourtermine des Musicals „DIE WEISSE ROSE“:
- – 05. Juli: München, Deutsches Theater
- – 18. Juli: Füssen, Festspielhaus Neuschwanstein
- – 26. Juli: Stuttgart, Theaterhaus
- – Juli – 02. August: Köln, Philharmonie